ANSCHAUUNGSWELTEN

Rocco Barone

Vernissage 10. März 2019, 14 h

Rocco Barone wurde am 7. Januar 1949 in Alezio, Italien geboren. Zunächst besuchte er das staatliche Kunstinstitut in Lecce mit dem Schwerpunkt Malerei, wo er die Ausbildung mit der Verleihung des Titels Maestro d’Arte abschloss. Anschließend studierte er vier Jahre an der Akademie der schönen Künste in Rom mit der Fachrichtung Bühnenbild. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er als freischaffender Künstler in Rom.
Seither war er in Italien bei unzähligen Ausstellungen vertreten, und das Land ehrte ihn seinerseits mit hohen Auszeichnungen.

1975 zog er mit seiner Familie nach Kriftel, wo er seitdem lebt und arbeitet. Schöpfend aus seinen szenographischen Kenntnissen hat Barone die Lehren der Metaphysik, des Surrealismus und der neuen figürlichen Malerei absorbiert und seine Position im gleichem Abstand zu allen drei Tendenzen bezogen. 1975 entdeckte er die „Deformation“. Diese Stilrichtung erfasst den viel-dimensionalen Weltbereich, der außerhalb unseres
dreidimensionalen Anschauungsraums liegt. Der Stil beinhaltet astronomisch anmutende Perspektiven sowie psychophysische Elemente.

Drei Jahre später, 1978, legte Barone die Prüfung zur Erlangung der Lehrberechtigung im Fach Kunsterziehung in Rom ab.

TEN YEARS AFTER

Jan Davidoff

Ausstellungseröffnung 17. März 2019, 14 Uhr

Mit ten years after widmet das Rosenhang Museum Jan Davidoff (geb. 1976 in Norden) anlässlich seiner 10-jährigen Professionalität als Künstler eine Einzelpräsentation. 

Retrospektivisch zeigt die Ausstellung die weite Bandbreite von Jan Davidoffs künstlerischem Schaffen und seine Vielfalt im Umgang mit unterschiedlichen Mal- und Drucktechniken und der Wahl von Materialien. Gleichzeitig spiegelt sich in den Exponaten die Auseinandersetzung mit der Beziehung von Natur und Kultur als zentrales Motiv seiner Kunst in den Jahren seit Abschluss des Studiums wider. Sei es die Auflösung jedweder Bezüge im endlos erscheinenden Geäst eines Baumes oder der Verlust jeglicher Perspektive in Anbetracht architektonischer Bauten – die rauschhafte Wirkung von Jan Davidoffs Arbeiten resultiert aus der formalen und inhaltlichen Reduktion von Eindrücken aus Natur und Kultur auf das Wesentliche. Dabei werden seine Gemälde maßgeblich von den Eindrücken, die er  – früher noch auf Reisen in ferne Regionen dieser Welt, jüngst zunehmend an Naturschauplätzen seiner unmittelbaren Umgebung, dem bayrische Umland – sammelt, beeinflusst. Ausgehend von der Annahme, dass Landschaft heute ausschließlich kulturhistorisch und damit niemals unberührt von menschlicher Existenz zu begreifen ist, porträtiert er die Natur als Essenz allen Lebens. 

Die Verschmelzung von Figürlichkeit und Abstraktion durch den Verzicht auf die Detailhaftigkeit und multiple Farbigkeit der realen Szenerie und die Einbettung in einen nahezu monochromen Hintergrund betont den Gegensatz von Natur und Kultur dabei nur vermeintlich. 

So verwendet er als Vorlage für seine sowohl großformatigen Leinwandarbeiten als auch kleineren Werke auf Stahl, Metall und Kupfer selbst aufgenommene Fotografien, die er dann digital überarbeitet und verfremdet. Dabei ist das Zusammenspiel von Hintergrund- und Motivwahl von zentraler Bedeutung. Während der Bildträger selbst durch den Auftrag verschiedenster Material- und Farbschichten Haptik und Vielschichtigkeit suggeriert, so entsteht die eigentliche Tiefe der Arbeiten erst durch den Übertrag des Motivs auf die Oberfläche und den so entstehenden Bruch. Die von Kraft und Vitalität durchdrungenen Werke erhalten ihre Wirkung erst durch das Zusammenspiel von Untergrund und Motiv, das seine ästhetischen Gegensätzlichkeit betont und so einen Raum entstehen lässt, in dem das Licht als weitere Komponente der subjektiven Erfahrung des Künstlers Ausdruck verleiht.  

Hier wird der in Arno Holzs Formel „Kunst = Natur – x“ postulierter Parameter x zum zentralen Sujet, wenn sich der Betrachter angesichts von unendlichen Bachläufen, des Dickichts des Waldes oder im Gegenüber von Kirchen und Häusern fragt: Wer oder was ist Kreatur und wer der Kreator? Wer schafft was? Oder vielmehr, was schafft wen? Grenzen heben sich auf und Naturgesetze verschwimmen ebenso wie die Grenze zwischen abstrakter und figurativer Kunst. Und auch das erst seit kurzem zentrale Motiv der (verblühten) Sonnenblume als Symbol für die Gleichzeitigkeit von Vergänglichkeit und Leben wird zum Spiegel seiner stetigen Auseinandersetzung mit der Beziehung von Mensch und Natur.  

Auf subtile Art wird so in Jan Davidoffs Werk der vergangenen 10 Jahre der immerwährende Fluss des Lebens, der in der Natur zum Ausdruck kommt, und das Bewusstsein für die untrennbare Verknüpfung von Kultur, Kunst und Natur sichtbar.

DUALITÄT ODER POLARITÄT

Niesen – Taeter – Müller

Ausstellungseröffnung 24. März 2019, 14 Uhr

Barbara Niesen zeigt Exponate aus ihrer neuen Serie „Sencha Flowers“.

Zu sehen sind Farbraumkörper auf Leinwänden in Anlehnung an Gotthard Graubner, der seinen Bildern durch das Aufspannen synthetischer Watte auf zweidimensionaler Leinwand Plastizität gab. Hier sind es handgenähte Beutel, gefüllt mit japanischen Sencha Teeblättern, die sich nach einem aufwändigen Gestaltungsprozess in eine wellenförmig geschwungene, zart strukturierte Oberfläche verwandeln. Eine Dualität und Polarität der Farben entsteht durch quadratisch angeordnete Aufbrüche, in denen sich eingefärbte kugelförmige Objekte befinden, die Blüten mit Fruchtknoten symbolisieren.

 

Jürgen Taeter zeigt Farbfotografien aus seinem Bilderzyklus „Ergänzung undGegensatz“.

Das Dualitäts- bzw. Polaritätsprinzip kommt durch fotografische Prinzipien, durch das Verhältnis der Farben bzw. des Lichtes, den Bildaufbau und/oder inhaltlichen Aussagen zum Ausdruck. So verdeutlicht z.B. das Bild „Lollipop“ in vielfältiger Weise die Prinzipien von Dualität und Polarität: Um nur einige Beispiele zu nennen: Dualität: Virtuelle Personen – Schatten und Bodengemälde; Formen – Steinplatten und Bluse. Polarität: Zusammengehörigkeit Schattenpaar versus Einzelschatten bzw. gemalte Frau; Formen Rechtecke der Bluse versus Kreisformen im Kopftuch.

 

Im Zentrum der Arbeiten von Bernd Müller stehen einfache stille Charaktere, Szenen direkt aus dem Leben. Er zeigt zwischenmenschliche Beziehungen, Menschen aus dem Volk: ihr Alltag wird fabuliert. Es ist eine Metamorphose, eingebettet in eine vereinfachte Bildsprache, die er benutzt, um auf Lebensumstände und Verhaltensweisen hinzuweisen. Unsere Gedanken, Gefühle, Einstellungen und Werte beruhen oft auf Erfahrungen, die uns prägen. Was präsentieren die Skulpturen – Dualität oder Polarität? Entsprechend seiner Erfahrungswelt sieht der Betrachter beides. Für Bernd Müller bedeutet Dualität die Zweiheit unserer Welt: entweder – oder. Polaritäten sind keine Gegensätzlichkeit, keine Widersprüchlichkeiten, sondern der Weg, über den wir die Welt wahrnehmen können: sowohl als auch.

VERBORGENE SCHÖNHEITEN

Bernd Sannwald

Ausstellungseröffnung 12. Mai 2019, 14 Uhr

Bernd Sannwalds fotografisches Territorium liegt jenseits unserer gewohnten Wahrnehmung.  Der ästhetische Kontext rückt in den Vordergrund und die funktionelle Seite der Objekte, die für jedermann sichtbar sind, wird ausgeblendet.

Bei seinen Arbeiten ist der Ausschnitt so kompromisslos, dass sich die Bilder von ihrem realen Vorbild loslösen. Wir können uns in der Realität in den fotografierten Bauten bewegen, doch der Künstler lässt uns all diese Passagen als eigenständige Formen wahrnehmen. Ist es uns gelungen, einen konkreten Ort zu erkennen, erscheint uns dessen fotografische Metamorphose umso erstaunlicher. 

Mit seiner selektiven Position steht Sannwald in der Tradition von Albert Renger-Patzsch, dem Fotografen der Neuen Sachlichkeit. Sannwalds Arbeitsstil ist zwar klassisch-zeitlos, wird jedoch stark geprägt von der visuellen Erscheinung unserer Gegenwart. 

(Auszug aus: © 2017 Dr. Barbara Rollmann-Borretty)

denkZeichen

Reiner Coura

Ausstellungseröffnung 14. Juli 2019, 14 Uhr

Ein Totalwerk aus Natur, Technik und Gesellschaft zeigt der Künstler Reiner Coura zum ersten Mal als Symbiose. Dem Leben und seiner Vergänglichkeit auf der Spur bleiben seine Skulpturen, Materialbildnisse und Zeichnungen erzählerisch, versteckt provokativ und ironisch zugleich. 

Couras Bildsprache akkreditiert keine modische Allgefälligkeit, sondern ist eine mit Kraft gedachte Malerei ‘mit allen Mitteln’. Sein Werk ist wie ein herausforderndes Vergnügen mit Inhalt: üppig bestückt, überaus sinnlich und manchmal tonnenschwer. Bildträger und -material sind Fundstücke und Relikte aus verschiedenen Zeiten mit den erzählenden Attributen der Vergänglichkeit im Kontext mit der Gegenwart und Zukunft. Ein Erzähler, ein Mahner, ein Träumer, ein Erfinder und Revolutionär zugleich: Reiner Coura interessiert nicht das figürliche oder abstrakte Abbild, sondern das Schaffen neuer Körper durch Verwerten und Zusammenfügen verschiedener Elemente. Die Arbeiten sind ganz heute, brechen eine Atmosphäre der Zufriedenheit und zeigen gleichzeitig in ihrer Kommunikationsform menschliche Wärme, spielerische Leichtigkeit kombiniert mit interpretationsfreudiger Tiefe.