“Cinderella trifft Dali”

Michael Cheval – 15.04. – 29.04.2018

Michael Cheval ist ein zeitgenössischer Künstler, der für seine “absurden” Gemälde, Zeichnungen und Porträts bekannt ist, die die Fantasie anregen, indem sie die Realität auf den Kopf stellen. Cheval präsentiert sein geniales Kunstwerk als Puzzle. Er lädt den Betrachter ein, die verborgene Bedeutung hinter seiner Kunst zu lüften, indem er Hinweise in den Titel und die Bildsprache des Kunstwerks verwendet.

Cheval hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Kunst erhalten, darunter 2009 den Best of Worldwide Oil Artists von Kennedy Publishing. Er ist Mitglied des angesehenen National Arts Club in New York City und der international renommierten Society of Art and Imagination in London.

Cheval wurde 1966 in der kleinen Stadt Kotelnikovo in Russland geboren und ist aufgewachsen in einer Familie von kreativen Talenten. Sein Großvater war ein professioneller Künstler und Bildhauer, während seine Großmutter Gedichte für Kinder schrieb. Chevals Vater war Soldat und Künstler und seine Tante war Musikerin. Chevals Leidenschaft für das Zeichnen entwickelte sich in jungen Jahren und förderte schließlich seinen Aufstieg als professioneller Künstler.

Im Jahr 1980 zog Cheval mit seiner Familie nach Deutschland. Die schönen Museen, die extravaganten Schlösser, die alten Straßen und die malerischen Landschaften Süddeutschlands inspirierten das bilderbuchartige Element von Chevals Kunstwerken.

Cheval absolvierte eine formale Ausbildung an der Ashgabat School of Fine Arts, wo er die östliche Philosophie und den Charakter Zentralasiens aufnahm. Während er noch in der Schule war, hielt Cheval seine erste Einzelausstellung 1990 im turkmenischen Nationalmuseum der Schönen Künste ab. 1994 zog Cheval nach Moskau und arbeitete als unabhängiger Künstler und Illustrator für verschiedene Verlage, darunter den berühmten Buchverlag “Planeta”.

Im Jahr 1997 wanderte Cheval in die USA aus. Er verwendete seine Philosophie, Erfahrung und Vision, kombiniert mit seiner Liebe zur westlichen Kultur, um seine Kunstwerke zu entwickeln. Im Jahr 1998 wurde Cheval als Mitglied des National Arts Club in New York City akzeptiert. Zwei Jahre später wurde er mit dem “Exhibition Committee Award” des Clubs ausgezeichnet.

“Candy Shop”

Roman Kochanski 25.02.-05.04.2018

Roman Kochanski über seine Malerei: „Obwohl meine Bilder immer in der Gegenständlichkeit enden, sehe ich mich eher als abstrakten Maler. Alle Figuren bauen sich aus abstrakten Flächen auf und werden gegebenenfalls noch ausgeschärft. Aber abstrakte Momente bleiben überall stehen. Für mich lassen sich bestimmte Seinszustände malerisch besser abstrakt lösen. Zustände wie Zerbrochenheit, Fragilität, Stärke – all das kann man durch Gestus und Flächen besser transportieren als durch eine mithilfe klarer Umrisse definierte Figur. Meine Malerei soll nicht nur gesehen, sondern vielmehr erspürt werden.“ 

“Tiefe Wasser”

Matthias Meyer – 21.01. – 11.03.2018

Stark verdünnte Ölfarbe und Lösungsmittel, zufällige Farbverläufe, Verwischungen und Überlagerungen: Ein subjektives Abbild von Wasser zu schaffen, ist Ziel des Künstlers Matthias Meyer. Die Ausstellung „Tiefe Wasser“ des Meisterschülers von Gerhard Richter ist im Rosenhang Museum in Weilburg zu sehen. Ausstellungseröffnung war am 21. Januar 2018 um 14 Uhr in der ehemaligen Brauerei.
Der Künstler hat im Weilburger Kunstmuseum die Einzelpräsentation zur Eröffnung erläutert. Dabei sind großformatige Ölgemälde zu sehen, die Wasser in all seinen natürlichen Erscheinungsformen zeigen. Die Journalistin Dr. Brigit Sonna hat die Eröffnung moderiert.
„Tiefe Wasser“ sollen auch tief blicken lassen – mit dem Thema widmet sich der 1969 in Göttingen geborene Meyer einem symbolträchtigen Element. Es prägt die Natur-, Menschheits- und Kulturgeschichte, es reinigt und spült fort. Der Richter-Schüler Meyer nutzt Wasser als Thema einer ästhetisch und diskursiv vielschichtigen Malerei, die das eigentliche Motiv zugunsten der Auseinandersetzung mit dem Wesen des Wassers nahezu verschwinden lässt.
Seen und Flusslandschaften werden auf der Leinwand zur Spielwiese und Projektionsfläche für den Künstler in seiner Auseinandersetzung mit seinem Thema. Dabei experimentiert Meyer mit dem Material, er arbeitet mit verdünnter Ölfarbe, Verläufen, Verwischungen und Überlagerungen. Die Fotografie ist Vorlage für seine Gemälde, die Ausfertigung entsteht jedoch davon losgelöst in einem improvisierenden Duktus. Die so entstehenden Wasserlandschaften werden zum Spiegel des unterbewussten Kunstschaffenden und ermöglichen dem Betrachter einen Zugang zu traumartigen Welten. Diese Abkehr vom Figurativen und von der geometrischen Abstraktion mündet in ein Prinzip der Formlosigkeit, in dem die Farbe autonom eingesetzt wird.

“Welcome in Germany”

Sabina Sakoh – 19.12.2017 – 16.03.2018

 

Aufbruch, Freiheit und Demokratie sind die künstlerischen Themen der 1968 in München geborenen Malerin Sabina Sakoh. Sie orientiert sich stilistisch an den alten Meistern und überträgt sie thematisch in die heutige Zeit. So lassen sich in ihren Werken manieristische und barocke Elemente erkennen, sowie auch eine Orientierung an der Malerei des 19. Jahrhunderts. In opulenten Szenen mit emotionaler Farbigkeit und surreal aufgelösten Raumsituationen thematisiert sie die Verteidigung demokratischer Werte. In ihrer Serie „The Raft“ (zu dt. das Floß) nimmt sie Bezug auf die Epoche der Französischen Revolution, in der die ersten Grundrechte entstanden. In dieser Zeit malte auch Theodore Gericault sein „Floß der Medusa“, ausgesetzte Menschen auf hoher stürmischer See, die ums Überleben kämpfen. Dieses Werk hat Sabina Sakoh inspiriert. Einige der Dargestellten tragen die Phrygische Mütze, die während der französischen Revolution getragen wurde. Immer wieder ist die deutsche Flagge zu finden und auch der deutsche Adler dargestellt als Zentaur, ein mythologisches Mischwesen, halb Mensch halb Tier. Ihr energischer Bildaufbau und die unkontrollierbar kraftvoll wirkende Szenerie symbolisiert für sie die Demokratie. Sie falle allerdings nicht vom Himmel, (Sabina Sakoh), sie sei hart erarbeitet und erfordere ein hohes Bewusstsein. Die Bilder besitzen eine thematische Aktualität, die durch derzeitige politische Entwicklungen immer wieder bestätigt wird.

“Estavillo – höchstpersönlich”

Oliver Estavillo – 19.12.2017 – 18.02.2018

 

Der bekannte, 1964 geborene deutsch – amerikanische Maler Oliver Estavillo lässt uns mit seinen singulären, in aufwändiger, detailreicher Ölmalerei gefertigten großformatigen Tableaus in die schillernden Abgründe des menschlichen Miteinanders blicken.
Denn dort, unter der oftmals sehr dünnen Kruste der Kultur, findet er seine Themen, die er uns, nicht ohne eine gehörige Prise tiefschwarzen Humors, mit schonungslosem Blick präsentiert.
Bildtitel wie “ Hai – Society“, “ Bankerverbrennung“ oder “ Botoxelfen“ sprechen hier eine deutliche Sprache, und die Kritik nennt ihn den “ Pop – Brueghel “ oder jüngst auch den “Tarantino der Malerei“.
Dr. Heinrich Hellmuth schreibt im Katalog zu Estavillos Ausstellung “Hai – Society “
im Vonderau Museum Fulda : “ Der Stil Oliver Estavillos ist unverwechselbar, eigenständig und individuell. So gelingt es ihm, ein originäres, kohärentes Werk zu schaffen, das er unbeirrt, konsequent und stetig erweitert zu einer umfassenden Comédie Humaine unserer Zeit “.
Dr. Ruprecht Volz konstatiert im Münchner Kunstjournal ‘UND’, dass “der Maler Oliver Estavillo mit der Kettensäge seiner Malerei im Unterholz der Gesellschaft für Durchblick sorgt … und bei seinen Figuren durch deren ayurveda – gepflegte Samthaut das Wolfsfell durchbricht“.

Drei Minuten in Drei Jahren – Hollywood in Berlin

Kai Diekmann präsentiert
Fine Art Photography von Kiki Kausch

28. November 2017 – 14. Januar 2018

Erstmals zeigt die Berliner Fotokünstlerin Kiki Kausch ihre Serie “3 Minutes with…” komplett und kompakt an einem Ort: im Rosenhang Museum in Weilburg an der Lahn. 16 Portraits von Hollywood-Stars, fotografiert über drei Jahre im Büro des ehemaligen BILD-Herausgebers Kai Diekmann im 16. Stock des Springer-Hochhauses in Berlin. Ein einzigartiges Projekt: immer neue Persönlichkeiten in immer derselben Räumlichkeit, einmalig in dieser Dichte. Und immer in nur drei Minuten, selbst wenn der Gast mehr Zeit hatte. Spontan, individuell, unmittelbar. Ohne Agenten, ohne Redakteure, ohne Visagisten. Und auch ohne Blitz, ohne Scheinwerfer, ohne technische Hilfsmittel. Jede Begegnung war eine neue Herausforderung für die Fotografin und für den Star. Keine Zeit für Inszenierung, keine Chance für Posings, nur der direkte, intime Moment. Auch Unsicherheit, Verlegenheit, Verletzlichkeit zeigten sich da: Steven Spielberg in der Terrornacht von Paris, Matt Damon von hinten in Gedanken versunken mit dem Blick über Berlin.

Viele Arbeiten hat Kiki Kausch dreiteilig als Triptychon komponiert, so erzählt sie Geschichten über die Begegnungen mit Cameraon Diaz und Justin Timberlake, Ashton Kutcher und Ben Stiller, Renée Zellweger und Patrick Dempsey, Alan Rickmann und Michael Douglas. Brandneu und erstmals öffentlich präsentiert wird eine lebensgroße Arbeit in Glas. Benedict Cumberbatch, der Kiki Kausch fotografiert, während sie ihn portraitiert. Das Lieblingsbild auch von Kulturstaatssekretärin Monika Grütters, als es in diesem Jahr im Martin-Gropius-Bau in Berlin ausgestellt war: “Das Motiv ist so alt, wie die Kunst”, schrieb Monika Grütters in der BILD-Zeitung dazu, “das Bild im Bild – mit den Augen des Abgebildeten zurückblicken. Genau das ist hier mit den Mitteln der Fotografie geradezu klassisch inszeniert. Es spielt mit der Illusion, mit der fremden Vorstellungskraft und auch mit dem Perplexen. Das macht dieses Bild so vielschichtig, so besonders.” Das Portrait in Glas ließ Kiki Kausch in der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München in einem monatelangen, aufwendigen Prozess anfertigen. Es wird dabei in das Glas hineingebrannt. Ein einzigartiges Verfahren der Hofkunstanstalt, die in diesem Jahr 170 Jahre alt wird und auch mit Künstlerin wie Julian Opie und Kiki Smith zusammen arbeitet.

Ein Teil der Arbeiten kreist um die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kiki Kausch konnte sie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise fotografieren. Dabei entstand das ikonische Portrait, in dem die Kanzlerin eine arabische Ausgabe der Bild-Zeitung in der Hand hält, mit dem Text des Grundgesetzes und der Überschrift “Welcome to Germany”. Konzentrierter als in dieser Fotografie lassen sich die geopolitischen Verschiebungen kaum symbolisieren, ein Bild, auch im übertragenen Sinne, das letztlich ihre Kanzlerschaft definiert hat. Und dann schlägt Kiki Kausch wieder den überraschenden Bogen zu den Hollywood-Persönlichkeiten. Quentin Tarantion und Ridley Scott liegen auf dem Sofa in Kai Diekmanns Office und lesen den SPIEGEL mit Angela Merkel auf dem Titel. Wesley Snipes hält ein Schild in der Hand: “I love Angela Merkel” steht darauf. Hollywood bewundert die Kanzlerin und sieht in ihrem Leben sicherlich Filmstoff.

Gemeinsam mit Christian Duve war Kai Diekmann zur Eröffnung der Ausstellung im Rosenhang Museum für ein Gespräch mit der Künstlerin anwesend. Der langjährige Bild-Chef Kai Diekmann begleitete das Projekt von Anfang an: “Kiki Kausch musste nicht zu den Stars nach L.A., sie kamen zu ihr nach Berlin”, so Diekmann. “Drei Minuten sind nicht viel Zeit, um zwischen Fotografin und Foto-Subjekt Vertrauen aufzubauen. Kiki Kausch gelingt es dennoch.“

8. September – 31. Oktober 2017
Sonderausstellung MALSTRÖME

Cornelia Schleime, Helge Leiberg, Reinhard Stangl, Ralf Kerbach und Hans Scheib

© Cornelia Schleime (1953), Berlin
Wer aus mir trinkt, wird ein Reh
2009, Acryl, Asphaltlack, Schellack auf Leinwand

© Cornelia Schleime (1953), Berlin
Herzfieber
2007, Schellack, Asphaltlack, Acryl auf Leinwand

Eröffnung der Ausstellung am 8. September im Rosenhang Museum, Weilburg in Anwesenheit von Cornelia Schleime, Helge Leiberg, Reinhard Stangl, Ralf Kerbach, und Hans Scheib

1986 machte das Projekt MALSTROM, Bilder und Figuren 1982-1986 auf einen Schlag fünf aus der DDR emigrierte Künstler im Westen bekannt. Diese nach Westberlin übergesiedelten Künstler waren vom 13. Juni bis 27. Juni 1986 im Haus am Waldsee, West-Berlin sowie vom 11. Januar bis 8. Februar 1987 im Mannheimer Kunstverein mit ihrem Werk zu besichtigen und stellten radikale Gegenpositionen zum staatlich verordneten Sozialistischen Realismus dar. MALSTROM war keine klassische Künstlergruppe, sondern eine temporäre Ausstellungsgemeinschaft, die bewiesen hat, dass es auch in der damals noch existierenden DDR herausragende Strömungen gab, die sich um ein Kunstdiktat nicht scherte und dass es parallel zum neoexpressionistischen Aufbruch der westdeutschen „Jungen Wilden“ auch in der DDR Strömungen mit starkem Ich-Bezug und einer widerspenstigen Attitüde gegeben hat.

Interessanterweise bezogen sich die Künstler aus der DDR – wie auch die Künstler im Westen – auf den deutschen Expressionismus. Von den Nazis als „entartet“ beschimpft und aus den Museen entfernt bedeutete er für die Künstler der späten 70er und frühen 80er Jahre einen Neubeginn in der Malerei. Gleichzeitig stellte die Weiterentwicklung und Neuinterpretation expressiver Malerei mit gesellschaftspolitischem Hintergrund ein Wiederanknüpfen an eine durch Krieg und Faschismus verleumdete und teilweise verlorene Tradition dar. Der Aufbruch zu einer neuen Malerei, die sich von Zwängen, Malverboten und Konventionen im Osten wie im Westen befreite, fiel in Europa wie in den USA auf fruchtbaren Boden.

Die Künstler Cornelia Schleime, Helge Leiberg, Reinhard Stangl, Ralf Kerbach und Hans Scheib kannten sich vom Studium an der Kunsthochschule Dresden aus den 1970er Jahren und standen sich künstlerisch sehr nahe. Zwischen Ihnen existierten langjährige Verbindungen, die vielfach fruchtbare Kooperationen angestoßen haben, ohne dass sich der Einzelne als Teil einer Gruppe verstand. Ihr künstlerisches und politisches Koordinatensystem bildete die Grundlage dafür, dass sie Teil der so außerordentlich lebendigen, aber bis heute kaum bekannten Gegenkultur der DDR wurden. Der Kontakt zwischen ihnen brach nie ab, selbst als die Mauer noch stand und einige von ihnen im Osten, andere schon im Westen lebten.

Die Ausstellung Malströme im Rosenhang Museum in Weilburg stellt die Künstler mit bisher nicht oder selten gezeigten Frühwerken und überwiegend aktuellen Werken vor. Die starken individuellen Positionen kennzeichnen den Weg, den die Künstler in den letzten Jahrzehnten zurückgelegt haben. Die Wiederbegegnung nach 30 Jahren mag Überraschungen bergen, aber die individuellen und stark authentischen Positionen sind auch nach all den Jahren noch erkennbar geblieben.

5. Juni – 31. August 2017

Ahmet Güneştekin

Blue Legend

Ahmet Güneştekin
Troy (Troya), 2017
Patchwork, 160 x 200 cm

5. Juni – 31. August 2017

Huang He

Open Eyes. Close Eyes.

Huang He
Face-Orangutan (3), 2010
Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm

5. Juni – 31. August 2017

Annette Merrild

Moments

Annette Merrild
Moments (1), 2017
Acryl, Öl, Lack auf Leinwand, 195 x 145 cm

WEILBURGER BEGEGNUNG

Figur und Abstraktion im Dialog

Eröffnungsausstellung

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

STEPHAN BALKENHOL

Stephan Balkenhol, 1957 in Fritzlar geboren, gilt als wegweisend in der zeitgenössisch figurativen Skulptur und ist einer der international renommiertesten Künstler Deutschlands. Bereits während seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg beginnt er, Skulpturen aus Holz zu erarbeiten und entwickelt seine eigene skulpturale Sprache.

Balkenhols Skulpturen, die er mit dem Beitel aus mächtigen Holzstämmen haut und farbig fasst, sind meist Einzelfiguren, doch gibt es auch Figurengruppen und als Relief gestaltete skulpturale Bilder und raumgreifende Installationen. Die dargestellten Männer und Frauen scheinen zunächst nichts von sich preisgeben oder erzählen zu wollen und auf den ersten Blick keine Emotionen zur Schau zu stellen. Dennoch oder gerade deshalb wird beim Betrachter der Wunsch hervorgerufen, mit der Figur in einen Dialog zu treten. Die vermeintlich neutrale Figur verleitet den Betrachter dazu, mit ihr zu kommunizieren und ihr einen Charakter zuordnen zu wollen, sie zu interpretieren und zu ihrer Seele vorzudringen. Durch die weitgehende Rücknahme einer psychologisierenden Dimension sind Balkenhols Figuren immer auch ein Spiegel, der die Gefühle, Wünsche und Hoffnungen des Betrachters reflektieren kann. Stephan Balkenhol zu seinen Arbeiten: „Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten. In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.“

Charakteristisch an Balkenhols Arbeiten ist seine besondere Bearbeitung des Holzes. Die Arbeitsspuren des Beitels sind deutlich zu erkennen, doch trotz der manchmal fast rau und grob wirkenden Oberfläche erscheinen die Gesichter und Gliedmaßen gleichzeitig zart und fragil.

Parallel zu seinen Holzarbeiten entstehen seit 1992 Bronze-Arbeiten in kleiner Auflage, die einen bedeutenden Teil in seinem Oeuvre einnehmen. Über 40 figürliche Skulpturen, die ebenso wie die Holzarbeiten die für Balkenhol typische, von Arbeitspuren geprägte Oberfläche aufweisen, sind bisher entstanden.

Bekannt ist Balkenhol auch für seine großformatigen Außenskulpturen, die in vielen Städten an prominenten Plätzen zu bewundern sind. (Hierzu gehören z.B. die Giraffe vor dem Tierpark Hagenbeck in Hamburg, die „Bojenmänner“ auf der Alster und der Elbe, das Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig oder der „Balanceakt“ (Mann auf der Mauer) an einer ehemaligen Verlaufsstelle der Mauer in Berlin).

Seit 1992 ist Stephan Balkenhol als Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe tätig. Seine zahlreichen Einzelausstellungen in bedeutenden Museen und Galerien, begleitet von umfangreichen Publikationen, belegen seine Position sowohl in institutioneller Hinsicht als auch auf dem Kunstmarkt als einer der international anerkanntesten und erfolgreichsten Bildhauer unserer Zeit.

GERHARD RICHTER

Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler der Welt. Seine Werke sind international in den bedeutendsten Museen vertreten und zahlreiche Publikationen und Ausstellungen dokumentieren schon zu Lebzeiten seine herausragende Bedeutung.

Gerhard Richter studierte von 1952 bis 1955 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Kurz vor dem Mauerbau flüchtete er 1961 in die Bundesrepublik Deutschland und studierte von 1961 bis 1963 an der Kunstakademie Düsseldorf (wo er später von 1971 bis 1994 dann selbst als Professor für Malerei tätig war). Zusammen mit Sigmar Polke und Konrad Lueg prägte er in dieser Anfangszeit den Begriff des „Kapitalistischen Realismus“, die „deutsche PopArt-Variante“. In den frühen 60er Jahren fängt Gerhard Richter an, einfache Amateurfotos und Bilder aus Zeitschriften mit teils banalen Motiven abzumalen und setzt damit neue Impulse. Er verwendet dabei nahezu ausschließlich Grautöne, was er als „Endpunkt der Malerei“ bezeichnet. Durch Richters verwischende Malweise erscheinen die Gemälde wie unscharfe oder verwackelte Fotos, fast fotorealistisch, quasi gemalte Fotografie. Hiermit erreicht er erste internationale Bekanntheit. In den folgenden Jahren erweitert Gerhard Richter sein Werk um zahlreiche Optionen mit einem ganzen Spektrum von Stilen, Motiven und Ausdrucksformen. Dabei wechselt er häufig zwischen ungegenständlichen Werken und fotografisch gegenständlichen Bildern, es entstehen einerseits Vermalungen, Farbfeldmalerei und einfarbig graue Bilder und andererseits realistisch gemalte Landschaften, Stillleben oder Portraits.

Ab den späten 70er Jahren wendet Richter sich einer farbstarken, meist großformatigen Abstraktion zu. Er setzt zunehmend eine Rakel ein, um in seinen Bildern ungeplante Muster und Elemente des Zufälligen zu erzeugen. Bei diesen abstrakten Arbeiten ist die Farbe nach den grauen Bildern wie ein Durchblick in eine andere Welt, ein Feuerwerk von Farben, die alles dominieren und den Betrachter sowohl aus der Nähe wie aus der Ferne in den Bann ziehen und ungewohnte Illusionen erzeugen.

Parallel entstehen seit 1965 Gerhard Richters Editionen in verschiedensten Techniken, häufig auch mit Unikatcharakter. Dazu gehören Drucke, übermalte Fotografien, sogar Ölgemälde und Multiples aus diversen Materialien, die für viele Sammler ein besonderes Sammlungsgebiet darstellen und sehr gesucht sind. Einen eigenständigen, umfangreichen Werkkomplex bilden seine über 1.000 übermalten, oft selbst aufgenommenen Fotos, die erstmals 2008 in einer großen Museumsschau mit ausführlichem Katalog präsentiert wurden.

Alle Facetten im Oeuvre von Gerhard Richter sind in ihrer Art und ihrer Bedeutung radikal, neu und richtungsweisend und stellen jeweils für sich eine neue Dimension in der zeitgenössischen Kunst dar. Sie bilden trotz ihrer großen Vielfalt ein logisches und beeindruckendes konzeptuelles Gesamtwerk, einzigartig in der Kunst der Gegenwart.