A WIE ANDERS SEIN – WAS FÜR TYPEN!

Ute Wengenroth

ab 23.09.2018

Aus zahlreichen verschiedenen Facetten besteht der Mensch, so viele Eigenschaften hat er, strebt er an oder will sie (weil unliebsam) am liebsten loswerden. Oftmals wünschen wir auch unseren Mitmenschen gewisse Eigenschaften und Gemütszustände.

Wir sprechen da sicher über deutlich mehr als über 26 Charakteristika, also weitaus mehr als das Alphabet Buchstaben hat. In ihrer Werkgruppe „A wie anders sein“ hat Ute Wengenroth nun mit diesen „Typen“ (im wahrsten Sinne des Wortes), also mit den Buchstaben und mit ihren Eigenschaften bzw. -arten gespielt.

„In jeder meinen Darstellungen findet sich an irgendeiner Stelle mehr oder weniger auffällig der Buchstabe als symbolischer Träger des jeweiligen Charakteristikums wieder“, erläutert die Limburger Künstlerin ihre neue Serie.

„Ein Gang durch die Ausstellung soll eine Einladung sein, sich über unsere ureigene menschliche ‚Art‘ Gedanken zu machen, über unsere Lebensmotive, Schattenseiten, Stärken und Hoffnungen. Und natürlich auch über unsere Wünsche an uns und für die anderen – personalisiert mit den jeweiligen Schrift-Typen. Sie erinnern uns daran, dass auch wir Menschen alle ‚echte Typen‘ sind – jeder mit seiner ganz eigenen Eigenschaftskombination.

Für mich hat sich beim Buchstaben ‚M‘ zum Beispiel ‚mutig‘ aufgedrängt.  Ich verspürte Lust, das ‚M‘ mit Courage aufzuladen und auf diese Art zu zeigen. Ich freue mich aber genauso über Betrachter, die im ‚M‘ ‚mucksmäuschenstill‘, ‚meisterhaft‘ oder was auch immer sehen.“

Die Bilder sollen zum Nachdenken darüber bringen, wie wir sind, wie wir sein wollen und vor allem welche Eigenschaften wir unseren Mitmenschen wünschen und schenken wollen. Vielleicht „E“ wie „entspannt sein“ oder „o“ wie „offen“?

Ute Wengenroths Bilder sind eine spielerische Einladung zur Selbstbefragung und lenken die Aufmerksamkeit auf unsere Nächsten.

DEUTSCHER ALLTAG

Prof. Hans-Hendrik Grimmling

24.06. – 05.10.2018

Hans-Hendrik Grimmling wurde 1947 in Zwenkau bei Leipzig geboren. Von 1970 – 1974 studierte er an der HfBK Dresden und HGB Leipzig. 1977 wurde er Meisterschüler bei Gerhard Kettner. Seit seiner Übersiedlung nach Westberlin im Jahr 1986 lebt und arbeitet er in Berlin.

Von 2001 bis 2006 war er als Dozent an der Berliner Technischen Kunsthochschule tätig, von 2006 bis einschließlich 2017 als Professor.

Die Werke Grimmlings sind in vielen bedeutenden öffentlichen Sammlungen, vertreten, so auch im Berliner Kupferstichkabinett, der Berlinischen Galerie und dem Museum der Bildenden Künste, Leipzig.

Zu seiner ersten Einzelausstellung in unserem Museum zeigt Hans-Hendrik Grimmling mächtige Gemälde aus der Serie “deutscher alltag”. Brutal blicken die wuchtigen Formen in derben schwarz-bunten Kontrasten von den Leinwänden herab und entfalten ihre psychische Macht. Er malt großformatige Bildzyklen gegen den westlichen Einfluss. Seine Kunst ist von formstarken Metaphern geprägt, wobei das Schwarz das Tragende ist. “Die Melancholie des Schwarz habe ich im Laufe der Zeit immer mehr als Feierlichkeit begriffen und seine vermeintliche Traurigkeit oder Trauer eher als elegische Kraft”, sagt er in einer philosophischen Betrachtung über das Schwarz. “Mir wurde klar, dass das Schwarz im Bild für mich Form bedeutet, dass ich es beim Bildermachen als Konstruktion, als Rhythmisierung, als Ordnung gebrauche und brauche.”

Jahresausstellung der Künstlerkolonie Weilburg

LEBENDIG

Ausstellungsdauer: 08.-16.09.2018

Malerei – Skulpturen – Fotografie – Tanz

Gemeinschaftsausstellung von:

Margit Bach, Judika Dragässer, Christine Fries, Edeltraut Göpel, Thomas Grimberg, Iris Heyne, Edelgard Hildebrand, Siegrun Keiner, Wolfgang Kissel, Erich Klotz, Angelica Kowalewski, Luis Kowalewski, Otto Krtsch, Elke Lisken, Sibylle Maassen, Norbert Prätorius, Caroline Schmid, Hilde Vitt

KunSToff24

Malerei & Skulpturen

Vernissage 26.08.2018, 14 Uhr

Einige der Künstlerinnen werden nachmittags im Atelier des Rosenhang Museums malen

Ausstellungsdauer: 25.08.-02.09.2018

Gemeinschaftsausstellung von:

Heike Blumentritt, Doris Braun, Alexandra Bube, Ingrid Freitag,

Inge Schomburg, Brigitte Schön, Barbara Zettl, Rebekka Zygan

Die Künstlerinnen Heike Blumentritt, Doris Braun, Alexandra Bube, Ingrid Freitag, Inge Schomburg, Brigitte Schön, Barbara Zettl und Rebekka Zygan sind Mitglieder der Gießener Künstlergruppe KunSToff24. Sie treffen sich in Atelierräumen, um schöpferisch zu arbeiten, sich auszutauschen und neue Impulse für ihr Schaffen zu bekommen. Die Gruppe stellt die entstandenen Werke immer wieder auf besonderem Wege vor. Daher freuen wir uns, einige unserer Arbeiten hier, in den Räumen des Rosenhang Museums, zu zeigen. Wir wünschen Ihnen beim Betrachten viel Spaß!

MOTHER MEETS SUN

im Rosenhang

Cornelia Schleime – Moritz Schleime

Ausstellungsdauer 03.06.-23.08.2018

Unter dem Titel „MOTHER MEETS SUN“ präsentiert das Rosenhang Museum in Weilburg erstmals eine gemeinsame Ausstellung mit Arbeiten von Cornelia und Moritz Schleime.

Mutter und Sohn, Künstlerin und Künstler – menschlich und familiär eng miteinander verbunden, teilen Cornelia und Moritz Schleime nicht nur den Beruf und die Leidenschaft für die zeitgenössische Kunst, allem voran die Malerei, miteinander, sondern auch eine gemeinsame persönliche Geschichte. Beide sind darüber hinaus höchst eigenständige Künstlerpersönlichkeiten mit unterschiedlichen Prägungen, die sich aktiv in der Kunstszene bewegen und ihre künstlerische Karriere produktiv und erfolgreich gestalten.

Doch zusammen ausgestellt haben beide bisher noch nie.

Cornelia Schleime gehört Anfang der 1980er-Jahre, noch während des Studiums in Dresden, einer jungen alternativen Kunstszene an, die sich als Gegenbewegung zur offiziellen Kunstdoktrin der DDR formiert. Sie zeichnet, malt, dichtet, entdeckt die Aktionskunst für sich und wird Mitbegründerin einer Punkband. Als ihr weit gefasster Kunstbegriff ab 1981 zu Ausstellungsverboten führt, siedelt die Künstlerin nach mehreren Ausreiseanträgen 1984 von Ost- nach West-Berlin über. Nahezu ihr gesamtes bis dahin geschaffenes Œuvre bleibt in der DDR zurück und ist heute verschollen. In West-Berlin angekommen, fängt Cornelia Schleime noch einmal ganz von vorn an. Heute zählt sie zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen ihrer Generation.

Moritz Schleime wird 1978 in Ost-Berlin geboren. Von 1998 bis 2004 studiert er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, gründet 2004 eine Künstlergruppe sowie eine Produzentengalerie. Seither stellt er regelmäßig in verschiedenen international arbeitenden Galerien aus und ist in renommierten Privatsammlungen vertreten.

Voller Optimismus schauen die drei Schüler aus der Serie UNSERE BESTEN auf ihrer Schulbank sitzend den Betrachter an. Eine Mischung aus Stolz und Selbstbewusstsein, aber auch manierlichen Verhaltens, wie es elterlich erwartet wird, scheint ihre Haltung zu prägen. Kleidung und Mode spiegeln eine Zeit, die wir mit der Kindheit heutiger Großeltern assoziieren – eine Zeit, in der individuelle Freiheit als Konzept der Persönlichkeitsentwicklung noch nicht vorgesehen war. Man könnte die Protagonisten vor ihrem stets undefiniert abstrakten, geheimnisvoll bleibenden Hintergrund mit dem Satz beschreiben: „Sie haben brav ihre Haltung eingenommen.“ Welche Gedanken und Wünsche, Pläne und Vorstellungen von der Welt und ihrem eigenen Leben sich in ihren Köpfen befinden kann man nicht sehen, nur bestenfalls erahnen.

Typisch für die Kunst von Cornelia Schleime und ihren Bilderkosmos ist die Verschmelzung von Außen- und Innenwelten. Der Betrachter ihrer Bilder beginnt sofort über die rätselhaften Verbindungen zwischen Mensch und Tier, Umwelt und Geschichte, Ornament und Zeichen zu grübeln. Ihre Figuren scheinen traumwandlerisch das Wesentliche fest im Blick zu haben. Dinge, Räume und Atmosphären wuchern und verwachsen miteinander und alles verbindet sich darin.

An dieser Stelle treffen sich die Werke von Cornelia und Moritz Schleime.

Er malt unsere Welt als Universum der Gegensätze, bei dem Schrilles und Lautes stets hautnah an Subtil-Emotionalem, an zarter Freude und tiefem Schmerz ist. Aufrührerische Sprengkraft, Gesellschaftskritik und traumartige Absurditäten sind in seinen Bildern ebenso zu finden wie Romantik, Hoffnung, rauschhafte Zustände, selbstzerstörerische Aggressionen oder abgrundtiefe Ernüchterung – oft gepaart mit einer großen Menge schwarzen Humors.

Ob freche Fratzen, tragische Diven, skurrile Typen, mysteriöse Masken – in jedem seiner Portraits verdichtet Moritz Schleime ein Gefühl, einen besonderen Blick auf einen nie ganz fassbaren Charakter. Er zeigt dem Betrachter ein von der individuellen und realen Person abstrahiertes Bildnis, das dennoch auf geheimnisvolle Weise zum emotionalen Ergründen der Dargestellten und zu einer einfühlsamen Auseinandersetzung mit diesen einlädt.
Dabei lässt der Künstler immer wieder auch Inspirationsquellen und Persönlichkeiten der künstlerischen Öffentlichkeit unterschwellig aufblitzen

Wie in vielen seiner Bilder, bedient sich Moritz Schleime auch für seine Portraits der Bildsprache verschiedener Epochen der Kunstgeschichte und schafft daraus eine eigene Form, in der Surrealismus, Expressionismus, Dada und Realismus gleichermaßen ihren Platz finden. Längst vergangene Zeiten, Moden und Lebensstile tauchen mitsamt ihrer spezifischen Gefühlswelt wieder auf und führen uns vor Augen, dass nichts wirklich verloren und vieles immer wieder aktuell ist – und doch auch immer wieder anders.

“NUHR im Rosenhang – Weltbilder”

Fotokunst von Dieter Nuhr

18.03.-18.06.2018

Dieter Nuhr ist einer der erfolgreichsten Satiriker Deutschlands. Seine bildnerische Seite ist weniger bekannt, gewinnt aber zunehmend an Öffentlichkeit: Dieter Nuhr ist bildender Künstler.

Nach einem Kunststudium mit Schwerpunkt Malerei widmet er sich heute der konzeptuellen Fotografie. Reisend erkundet er die Welt, dokumentiert abseitige Welten, verwandelt sie in Bilder und schafft so ein Archiv vergessener Orte.

Seine detaillierten Beobachtungen mit der Kamera machen Dinge sichtbar, die meist eher ungesehen bleiben. Dieter Nuhrs Bilder von Orten, Interieurs und Dingen des alltäglichen Lebens, oft hinterlassene Gegenstände, die auf den ersten Blick wenig bildwürdig erscheinen, eröffnen einen sachlichen und dennoch oft melancholischen Blick auf die Rätselhaftigkeit des Daseins.

Seine Bilder werden häufig mit kleinen Texten oder Zeichnungen kombiniert, die den Blick lenken und Assoziationen freisetzen. Nuhrs Werke sind zwar im technischen Sinne Fotografien, wirken aber in erster Linie malerisch in Komposition und Farbklang und berühren den Betrachter trotz oder gerade wegen ihrer extremen Sachlichkeit und Strenge der Bildaufteilung.

TIEFE WASSER

Matthias Meyer

Ausstellung ab 21.01.2018

Matthias Meyer studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Dieter Krieg und Gerhard Richter, von dem er 1994 zum Meisterschüler ernannt wurde. Im gleichen Jahr absolvierte er ein Gaststudium am Chelsea College of Art in London. Der Maler lebt und arbeitet in der Kunststadt Mülheim an der Ruhr. Seine Werke sind in zahlreichen namhaften Sammlungen im In- und Ausland vertreten.

Meyers Werk ist geprägt durch Landschaftsbilder, Stadtansichten und Interieurs, die auf Fotovorlagen basieren. Mittels einer eigens entwickelten nass-in-nass gemalten Lasurtechnik entfernt sich der Künstler zunehmend vom Realismus der Bildvorlage und verleiht dem Gemälde den Charakter einer flüchtigen Erinnerung. Seit 2012 entstehen dabei vermehrt abstrakte, an Wasseroberflächen erinnernde Landschaften, die Einflüsse des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei erkennen lassen.

CANDY SHOP

Roman Kochanski

Ausstellungsdauer 25.02.-08.04.2018

Roman Kochanski über seine Malerei: 

»Obwohl meine Bilder immer in der Gegenständlichkeit enden, sehe ich mich eher als abstrakten Maler. Alle Figuren bauen sich aus abstrakten Flächen auf und werden gegebenenfalls noch ausgeschöpft. Aber abstrakte Momente bleiben überall stehen. Für mich lassen sich bestimmte Seinszustände malerisch besser abstrakt lösen. Zustände wie Zerbrochenheit, Fragilität, Stärke- als das kann man durch Gestus und Flächen besser transportieren als durch eine mithilfe klarer Umrisse definierte Figur. Meine Malerei soll nicht nur gesehen, sondern vielmehr erspürt werden.«

Drei Minuten in Drei Jahren – Hollywood in Berlin

Kai Diekmann präsentiert
Fine Art Photography von Kiki Kausch

28. November 2017 – 14. Januar 2018

Erstmals zeigt die Berliner Fotokünstlerin Kiki Kausch ihre Serie “3 Minutes with…” komplett und kompakt an einem Ort: im Rosenhang Museum in Weilburg an der Lahn. 16 Portraits von Hollywood-Stars, fotografiert über drei Jahre im Büro des ehemaligen BILD-Herausgebers Kai Diekmann im 16. Stock des Springer-Hochhauses in Berlin. Ein einzigartiges Projekt: immer neue Persönlichkeiten in immer derselben Räumlichkeit, einmalig in dieser Dichte. Und immer in nur drei Minuten, selbst wenn der Gast mehr Zeit hatte. Spontan, individuell, unmittelbar. Ohne Agenten, ohne Redakteure, ohne Visagisten. Und auch ohne Blitz, ohne Scheinwerfer, ohne technische Hilfsmittel. Jede Begegnung war eine neue Herausforderung für die Fotografin und für den Star. Keine Zeit für Inszenierung, keine Chance für Posings, nur der direkte, intime Moment. Auch Unsicherheit, Verlegenheit, Verletzlichkeit zeigten sich da: Steven Spielberg in der Terrornacht von Paris, Matt Damon von hinten in Gedanken versunken mit dem Blick über Berlin.

Viele Arbeiten hat Kiki Kausch dreiteilig als Triptychon komponiert, so erzählt sie Geschichten über die Begegnungen mit Cameraon Diaz und Justin Timberlake, Ashton Kutcher und Ben Stiller, Renée Zellweger und Patrick Dempsey, Alan Rickmann und Michael Douglas. Brandneu und erstmals öffentlich präsentiert wird eine lebensgroße Arbeit in Glas. Benedict Cumberbatch, der Kiki Kausch fotografiert, während sie ihn portraitiert. Das Lieblingsbild auch von Kulturstaatssekretärin Monika Grütters, als es in diesem Jahr im Martin-Gropius-Bau in Berlin ausgestellt war: “Das Motiv ist so alt, wie die Kunst”, schrieb Monika Grütters in der BILD-Zeitung dazu, “das Bild im Bild – mit den Augen des Abgebildeten zurückblicken. Genau das ist hier mit den Mitteln der Fotografie geradezu klassisch inszeniert. Es spielt mit der Illusion, mit der fremden Vorstellungskraft und auch mit dem Perplexen. Das macht dieses Bild so vielschichtig, so besonders.” Das Portrait in Glas ließ Kiki Kausch in der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München in einem monatelangen, aufwendigen Prozess anfertigen. Es wird dabei in das Glas hineingebrannt. Ein einzigartiges Verfahren der Hofkunstanstalt, die in diesem Jahr 170 Jahre alt wird und auch mit Künstlerin wie Julian Opie und Kiki Smith zusammen arbeitet.

Ein Teil der Arbeiten kreist um die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kiki Kausch konnte sie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise fotografieren. Dabei entstand das ikonische Portrait, in dem die Kanzlerin eine arabische Ausgabe der Bild-Zeitung in der Hand hält, mit dem Text des Grundgesetzes und der Überschrift “Welcome to Germany”. Konzentrierter als in dieser Fotografie lassen sich die geopolitischen Verschiebungen kaum symbolisieren, ein Bild, auch im übertragenen Sinne, das letztlich ihre Kanzlerschaft definiert hat. Und dann schlägt Kiki Kausch wieder den überraschenden Bogen zu den Hollywood-Persönlichkeiten. Quentin Tarantion und Ridley Scott liegen auf dem Sofa in Kai Diekmanns Office und lesen den SPIEGEL mit Angela Merkel auf dem Titel. Wesley Snipes hält ein Schild in der Hand: “I love Angela Merkel” steht darauf. Hollywood bewundert die Kanzlerin und sieht in ihrem Leben sicherlich Filmstoff.

Gemeinsam mit Christian Duve war Kai Diekmann zur Eröffnung der Ausstellung im Rosenhang Museum für ein Gespräch mit der Künstlerin anwesend. Der langjährige Bild-Chef Kai Diekmann begleitete das Projekt von Anfang an: “Kiki Kausch musste nicht zu den Stars nach L.A., sie kamen zu ihr nach Berlin”, so Diekmann. “Drei Minuten sind nicht viel Zeit, um zwischen Fotografin und Foto-Subjekt Vertrauen aufzubauen. Kiki Kausch gelingt es dennoch.“

8. September – 31. Oktober 2017
Sonderausstellung MALSTRÖME

Cornelia Schleime, Helge Leiberg, Reinhard Stangl, Ralf Kerbach und Hans Scheib

© Cornelia Schleime (1953), Berlin
Wer aus mir trinkt, wird ein Reh
2009, Acryl, Asphaltlack, Schellack auf Leinwand

© Cornelia Schleime (1953), Berlin
Herzfieber
2007, Schellack, Asphaltlack, Acryl auf Leinwand

Eröffnung der Ausstellung am 8. September im Rosenhang Museum, Weilburg in Anwesenheit von Cornelia Schleime, Helge Leiberg, Reinhard Stangl, Ralf Kerbach, und Hans Scheib

1986 machte das Projekt MALSTROM, Bilder und Figuren 1982-1986 auf einen Schlag fünf aus der DDR emigrierte Künstler im Westen bekannt. Diese nach Westberlin übergesiedelten Künstler waren vom 13. Juni bis 27. Juni 1986 im Haus am Waldsee, West-Berlin sowie vom 11. Januar bis 8. Februar 1987 im Mannheimer Kunstverein mit ihrem Werk zu besichtigen und stellten radikale Gegenpositionen zum staatlich verordneten Sozialistischen Realismus dar. MALSTROM war keine klassische Künstlergruppe, sondern eine temporäre Ausstellungsgemeinschaft, die bewiesen hat, dass es auch in der damals noch existierenden DDR herausragende Strömungen gab, die sich um ein Kunstdiktat nicht scherte und dass es parallel zum neoexpressionistischen Aufbruch der westdeutschen „Jungen Wilden“ auch in der DDR Strömungen mit starkem Ich-Bezug und einer widerspenstigen Attitüde gegeben hat.

Interessanterweise bezogen sich die Künstler aus der DDR – wie auch die Künstler im Westen – auf den deutschen Expressionismus. Von den Nazis als „entartet“ beschimpft und aus den Museen entfernt bedeutete er für die Künstler der späten 70er und frühen 80er Jahre einen Neubeginn in der Malerei. Gleichzeitig stellte die Weiterentwicklung und Neuinterpretation expressiver Malerei mit gesellschaftspolitischem Hintergrund ein Wiederanknüpfen an eine durch Krieg und Faschismus verleumdete und teilweise verlorene Tradition dar. Der Aufbruch zu einer neuen Malerei, die sich von Zwängen, Malverboten und Konventionen im Osten wie im Westen befreite, fiel in Europa wie in den USA auf fruchtbaren Boden.

Die Künstler Cornelia Schleime, Helge Leiberg, Reinhard Stangl, Ralf Kerbach und Hans Scheib kannten sich vom Studium an der Kunsthochschule Dresden aus den 1970er Jahren und standen sich künstlerisch sehr nahe. Zwischen Ihnen existierten langjährige Verbindungen, die vielfach fruchtbare Kooperationen angestoßen haben, ohne dass sich der Einzelne als Teil einer Gruppe verstand. Ihr künstlerisches und politisches Koordinatensystem bildete die Grundlage dafür, dass sie Teil der so außerordentlich lebendigen, aber bis heute kaum bekannten Gegenkultur der DDR wurden. Der Kontakt zwischen ihnen brach nie ab, selbst als die Mauer noch stand und einige von ihnen im Osten, andere schon im Westen lebten.

Die Ausstellung Malströme im Rosenhang Museum in Weilburg stellt die Künstler mit bisher nicht oder selten gezeigten Frühwerken und überwiegend aktuellen Werken vor. Die starken individuellen Positionen kennzeichnen den Weg, den die Künstler in den letzten Jahrzehnten zurückgelegt haben. Die Wiederbegegnung nach 30 Jahren mag Überraschungen bergen, aber die individuellen und stark authentischen Positionen sind auch nach all den Jahren noch erkennbar geblieben.

5. Juni – 31. August 2017

Ahmet Güneştekin

Blue Legend

Ahmet Güneştekin
Troy (Troya), 2017
Patchwork, 160 x 200 cm

5. Juni – 31. August 2017

Huang He

Open Eyes. Close Eyes.

Huang He
Face-Orangutan (3), 2010
Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm

5. Juni – 31. August 2017

Annette Merrild

Moments

Annette Merrild
Moments (1), 2017
Acryl, Öl, Lack auf Leinwand, 195 x 145 cm

WEILBURGER BEGEGNUNG

Figur und Abstraktion im Dialog

Eröffnungsausstellung

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

STEPHAN BALKENHOL

Stephan Balkenhol, 1957 in Fritzlar geboren, gilt als wegweisend in der zeitgenössisch figurativen Skulptur und ist einer der international renommiertesten Künstler Deutschlands. Bereits während seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg beginnt er, Skulpturen aus Holz zu erarbeiten und entwickelt seine eigene skulpturale Sprache.

Balkenhols Skulpturen, die er mit dem Beitel aus mächtigen Holzstämmen haut und farbig fasst, sind meist Einzelfiguren, doch gibt es auch Figurengruppen und als Relief gestaltete skulpturale Bilder und raumgreifende Installationen. Die dargestellten Männer und Frauen scheinen zunächst nichts von sich preisgeben oder erzählen zu wollen und auf den ersten Blick keine Emotionen zur Schau zu stellen. Dennoch oder gerade deshalb wird beim Betrachter der Wunsch hervorgerufen, mit der Figur in einen Dialog zu treten. Die vermeintlich neutrale Figur verleitet den Betrachter dazu, mit ihr zu kommunizieren und ihr einen Charakter zuordnen zu wollen, sie zu interpretieren und zu ihrer Seele vorzudringen. Durch die weitgehende Rücknahme einer psychologisierenden Dimension sind Balkenhols Figuren immer auch ein Spiegel, der die Gefühle, Wünsche und Hoffnungen des Betrachters reflektieren kann. Stephan Balkenhol zu seinen Arbeiten: „Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten. In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.“

Charakteristisch an Balkenhols Arbeiten ist seine besondere Bearbeitung des Holzes. Die Arbeitsspuren des Beitels sind deutlich zu erkennen, doch trotz der manchmal fast rau und grob wirkenden Oberfläche erscheinen die Gesichter und Gliedmaßen gleichzeitig zart und fragil.

Parallel zu seinen Holzarbeiten entstehen seit 1992 Bronze-Arbeiten in kleiner Auflage, die einen bedeutenden Teil in seinem Oeuvre einnehmen. Über 40 figürliche Skulpturen, die ebenso wie die Holzarbeiten die für Balkenhol typische, von Arbeitspuren geprägte Oberfläche aufweisen, sind bisher entstanden.

Bekannt ist Balkenhol auch für seine großformatigen Außenskulpturen, die in vielen Städten an prominenten Plätzen zu bewundern sind. (Hierzu gehören z.B. die Giraffe vor dem Tierpark Hagenbeck in Hamburg, die „Bojenmänner“ auf der Alster und der Elbe, das Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig oder der „Balanceakt“ (Mann auf der Mauer) an einer ehemaligen Verlaufsstelle der Mauer in Berlin).

Seit 1992 ist Stephan Balkenhol als Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe tätig. Seine zahlreichen Einzelausstellungen in bedeutenden Museen und Galerien, begleitet von umfangreichen Publikationen, belegen seine Position sowohl in institutioneller Hinsicht als auch auf dem Kunstmarkt als einer der international anerkanntesten und erfolgreichsten Bildhauer unserer Zeit.

GERHARD RICHTER

Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler der Welt. Seine Werke sind international in den bedeutendsten Museen vertreten und zahlreiche Publikationen und Ausstellungen dokumentieren schon zu Lebzeiten seine herausragende Bedeutung.

Gerhard Richter studierte von 1952 bis 1955 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Kurz vor dem Mauerbau flüchtete er 1961 in die Bundesrepublik Deutschland und studierte von 1961 bis 1963 an der Kunstakademie Düsseldorf (wo er später von 1971 bis 1994 dann selbst als Professor für Malerei tätig war). Zusammen mit Sigmar Polke und Konrad Lueg prägte er in dieser Anfangszeit den Begriff des „Kapitalistischen Realismus“, die „deutsche PopArt-Variante“. In den frühen 60er Jahren fängt Gerhard Richter an, einfache Amateurfotos und Bilder aus Zeitschriften mit teils banalen Motiven abzumalen und setzt damit neue Impulse. Er verwendet dabei nahezu ausschließlich Grautöne, was er als „Endpunkt der Malerei“ bezeichnet. Durch Richters verwischende Malweise erscheinen die Gemälde wie unscharfe oder verwackelte Fotos, fast fotorealistisch, quasi gemalte Fotografie. Hiermit erreicht er erste internationale Bekanntheit. In den folgenden Jahren erweitert Gerhard Richter sein Werk um zahlreiche Optionen mit einem ganzen Spektrum von Stilen, Motiven und Ausdrucksformen. Dabei wechselt er häufig zwischen ungegenständlichen Werken und fotografisch gegenständlichen Bildern, es entstehen einerseits Vermalungen, Farbfeldmalerei und einfarbig graue Bilder und andererseits realistisch gemalte Landschaften, Stillleben oder Portraits.

Ab den späten 70er Jahren wendet Richter sich einer farbstarken, meist großformatigen Abstraktion zu. Er setzt zunehmend eine Rakel ein, um in seinen Bildern ungeplante Muster und Elemente des Zufälligen zu erzeugen. Bei diesen abstrakten Arbeiten ist die Farbe nach den grauen Bildern wie ein Durchblick in eine andere Welt, ein Feuerwerk von Farben, die alles dominieren und den Betrachter sowohl aus der Nähe wie aus der Ferne in den Bann ziehen und ungewohnte Illusionen erzeugen.

Parallel entstehen seit 1965 Gerhard Richters Editionen in verschiedensten Techniken, häufig auch mit Unikatcharakter. Dazu gehören Drucke, übermalte Fotografien, sogar Ölgemälde und Multiples aus diversen Materialien, die für viele Sammler ein besonderes Sammlungsgebiet darstellen und sehr gesucht sind. Einen eigenständigen, umfangreichen Werkkomplex bilden seine über 1.000 übermalten, oft selbst aufgenommenen Fotos, die erstmals 2008 in einer großen Museumsschau mit ausführlichem Katalog präsentiert wurden.

Alle Facetten im Oeuvre von Gerhard Richter sind in ihrer Art und ihrer Bedeutung radikal, neu und richtungsweisend und stellen jeweils für sich eine neue Dimension in der zeitgenössischen Kunst dar. Sie bilden trotz ihrer großen Vielfalt ein logisches und beeindruckendes konzeptuelles Gesamtwerk, einzigartig in der Kunst der Gegenwart.