Construction of Light and Shadows

Rashid Al Khalifa

Vernissage Sonntag, 15. Mai 2022, 15 h

Dauer der Ausstellung 12.05.-07.08.2022

 

Rashid Al Khalifas großes Thema ist das Licht. Schon früh gehen seine Bemühungen darum, seine Wahrnehmung von Licht, seine Lichterfahrungen darzustellen. Licht visuell erfahrbar zu machen ist ein wegweisender Faktor hin zu den Arbeiten, die im Rosenhang Museum in Weilburg zu sehen sind. Am Anfang seiner künstlerischen Karriere, setzt er sich mit Landschaften, mit den dort unterschiedlich herrschenden Lichtverhältnissen auseinander, mit den Wüstenlandschaften seiner Heimat Bahrain und mit den so ganz anderen Landschaften Englands, wohin er 1972 ging, um Kunst zu studieren. Impulsgebend für die erste Auseinandersetzung damit waren die großen englischen Landschaftsmaler der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts wie John Constable oder William Turner. In dem Kontext spielen zunehmend Farben eine Rolle, während er sich von seiner naturalistischen Malweise zugunsten abstrakter Farbkompositionen löst. Gleichzeitig experimentiert er mit verschiedenen Materialien, montiert sie auf Leinwände in dem Versuch, die Zweidimensionalität hinter sich zu lassen. Seine Arbeiten bewegen sich vermehrt von der Fläche in die Dreidimensionalität. Sie wölben sich von der Wand vor, wachsen in den Raum. In dem Prozess entdeckt Rashid Al Khalifa die konvexe Form für sich, die von nun an bestimmend für sein Werk wird.

Von da an interessieren ihn ganz andere Materialien als Leinwand und Farben. Er beginnt mit Stahl und Aluminium zu arbeiten. Die Oberflächen eignen sich wie er feststellt, besser dazu, seine Vision von Licht umzusetzen. Dazu bearbeitet er die Flächen in ihrer Gesamtheit, verleiht ihnen Struktur, überzieht sie mit einem komplexen filigranhaften Liniennetz. Indem er Aluplättchen in unterschiedlichen Größen in dieses Netz von Horizontalen und Vertikalen einsetzt, erzeugt er eine Dreidimensionalität und verwandelt es so in ein vibrierendes Medium aus Licht und Raum. Als weiteres Element kommt bei vielen Arbeiten die Farbe hinzu, mit der die Oberflächen überzogen werden, teilweise von großer Raffinesse, die erst bei genauer Betrachtung offensichtlich wird.

Die Einflüsse islamischer Architektur sind unverkennbar. Ebenso die Prinzipien der den orientalischen Ornamenten, den Arabesken zugrunde liegenden Geometrie und der arabischen Zahlensysteme, deren Anwendung vielfach in der Kalligraphie zu finden ist. In der Gestaltung erinnern die Oberflächen seiner Objekte auch an das Prinzip des orientalischen Teppichgeflechts oder der Mashrabiyas, jene ornamentierten Fenster aus geschnitztem oder gedrechseltem, zu geometrischen Mustern angeordnetem Holz, die wir im allgemeinen mit dem Orient assoziieren. Sie filtern das Sonnenlicht, sorgen für Kühle, lassen raffinierte Lichtmuster in den Innenräumen entstehen. Man kann nicht von außen nach innen, aber umgekehrt von innen nach außen sehen. Dabei besteht das sichtbare Muster aus einzelnen unterschiedlichen Musterflächen, die übereinander gelegt das Gesamtmuster ergeben. Das Spiel mit dem Sichtbaren und Verborgenen steckt darin. In der Dreidimensionalität erzeugen die übereinander und ineinander verschachtelten Musterschichten Areale aus Licht und Schatten.
Seine frei hängenden Objekte (die Mobile Columns) oder seine frei stehenden Objekte, streben ein direkt erfahrbares Licht- und Schattenspiel an. Sie sind ein auf präzisen Zahlen basierendes, sorgfältig ausgeführtes, handwerklich genau gefertigtes, mehrschichtiges Konstrukt, das das gewünschte Ziel erreicht: ein komplexes Licht- und Schattenspiel.
Rashid Al Khalifa sieht sich bei allem Bewusstsein für zeitgenössische Formensprachen immer auch in der Tradition seiner Herkunft eingebunden und greift auf Einflüsse und Prägungen zurück.

Text: Karin Adrian von Roques 2022, Kuratorin der Ausstellung

ehe das Auge bricht

Lilli Elsner

Vernissage 15. Mai 2022, 16 h

Dauer der Ausstellung 12.05.-31.12.2022

 

Lilli Elsners Kunst findet nicht harmonische Ganzheitserkenntnisse, sondern sie sucht Erprobungsräume, Umbrüche, ungenutzte Zwischenräume, sie sucht unter der Oberflächenhaut das Verborgene.

Lilli Elsners Installationen sind Kunst im Spannungsfeld von Markt, Verteilungsungerechtigkeit, Ressourcenintensität und Produktivitätsmaximierung.

Die digitale, globalisierte, durchkommerzialisierte Konsumgesellschaft provoziert dabei künstlerische Transfomation.

Die Installation „Die Flüsse beeilen sich“ aus dem Jahr 2020/21, bestehend aus einem fünf Meter langen Kanu, das eine Wand aus mehreren hundert Benzinkanistern durchbricht, symbolisiert die Interessenkollision zwischen Markt und Freiheit.

Aktuell wirkt die Installation „Die Flüsse beeilen sich“ wie die Hand in der Wunde, verursacht durch die politische Dominanz von treibstoffbasierter Entscheidungssteuerung in einer dramatischen Kriegssituation.

Die Betrachtung von Lilli Elsners Kunst provoziert die Debatte über den Konflikt zwischen Markt, Umwelt, Nachhaltigkeit, Individualismus und Gemeinsinn – den Konflikt von Ansprüchen zwischen wirtschaftlicher und sozialer Infrastruktur.

Die Installation steht als Metapher für Entgrenzung, Ökonomie und Technik als fortschrittsoptimistische Antriebskräfte. Dabei wird die Installation zum Transformationsort – das durchbrechende Kanu – zum Träger eines Erregungskreislaufs mit der Hoffnung auf emanzipatorische Befreiung.

Farbnuance

Adria Moura

Vernissage 15. Mai 2022, 14 h

Dauer der Ausstellung 14.-22.05.2022

Finissage 22. Mai 2022, 15 h

 

Farbnuance – dieses Thema steht im Zentrum der Arbeit von Adria Moura, Künstlerin aus Brasilien mit Lebensmittelpunkt in Pulheim – Brauweiler bei Köln.

Adria Mouras intensiv leuchtende Farblandschaften zeichnen sich durch den Kontrast zwischen in harte Konturen eingefasste abstrakt-organische Formen und fließende Farbübergänge im Inneren dieser Formen aus. Dabei treten die einzelnen, weich schwingenden Formen über ihre Farbigkeit miteinander in Verbindung. So werden für benachbarte Flächen in der Regel verwandte Farbnuancen gewählt, während weiter entfernte Farbfeld-Gruppen in kontrastierenden Tönen gehalten sind. Dadurch entstehen im Bild unterschiedliche „Farbklänge“, die – in viele Nuancen aufgesplittert – teils das gesamte Farbspektrum des Regenbogens abdecken. Mit hilfe dieser farbigen Klänge und durch die organisch fließende Formsprache wird der Blick des Betrachters wellenartig gelenkt und gleichsam hypnotisch ins Bild hinein gezogen.

Ungewöhnlich ist Adria Mouras Maltechnik: Die Künstlerin arbeitet mit Buntstiften auf reißfestem Aquarellpapier, dh einem eigentlich zeichnerischen Ausdrucksmittel, das davon abgesehen in der zeitgenössischen Kunst kaum verwendet wird.

Die auf diese Weise äußerst langsam entstehenden Werke strahlen trotz ihrer innerbildlichen Bewegtheit eine fast meditativ anmutende Ruhe aus, die in einem angenehmen Gegensatz zur Schnelllebigkeit der heutigen Zeit steht.

Die organisch  fließende, schwingende Form stellt eine Gemeinsamkeit zwischen den Buntstift-Malereien auf Papier und den Skulpturen aus Edel-und Cortenstahl  Adria Mouras dar. Letztere wirken gleichsam wie aus den farbintensiven Bildern herausgegriffene und isolierte Einzelformen, die sich, in das feste und beständige Material Stahl gegossen und das Gestaltungsmitteln der Farbe verzichtend, im Raum entfalten.

Dr. Christiane Elster.

UNEXPECTED LIVING

MARCK

Ausstellung vom 09.07.-30.06.2022

Die Videoskulpturen des Schweizer Künstlers MARCK sind mehr als eine einfache Kombination aus Video und Skulptur: Sie sind eine logische Konsequenz seiner umfassenden Auseinandersetzung mit Filmen und Videos, multimedialen Projekten, Performances, Musik und skulpturalen sowie kinetischen Objekten. Die langjährige Auseinandersetzung mit diesen Medien hat ihm deren Grenzen aber auch die Möglichkeiten aufgezeigt und damit die Grundlage für die seit 2001 entstandene Werkgruppe gelegt. Ausschlaggebend für seine Videoskulpturen war – neben anderen – seine Unzufriedenheit mit der eher langweiligen Darstellung von Filmen auf Monitoren. Daher begann er, sie neu aufzubauen, um einerseits der Skulptur den statischen Aspekt zu nehmen und andererseits seinen Filmen/Videos reale Grenzen zu setzen. Die Auseinandersetzung mit dem Menschen und dessen Gefühlswelt steht im Zentrum seines Oeuvres. Sie basiert auf der Suche nach einer Kombination von äußeren Einflüssen und inneren Bedingungen. Seine Darstellerinnen sind immer Frauen, die sich des sie umgebenden künstlerischen (und künstlichen) Raumes bewusst sind, den sie mit ihrem Körper ausloten. Zuweilen wirken sie wie eingesperrt, oder sie bewegen sich auf gefährlichem Terrain, manchmal auch zwischen den Elementen Wasser und Luft wie in der Installation „black and white“ (2017). Der Künstler selbst versteht seine Arbeiten als emotional geerdete Medienskulpturen, die nicht nur ihre physischen, sondern auch ihre psychischen Grenzen ausloten.

 

Er lässt keinen Zufall zu, sondern baut seine Werke auf dem Fundament exakter inhaltlicher und technischer Visionen auf. Die Technik selbst steht nicht im Vordergrund, sondern ist Mittel zum Zweck – ein Organ für seine Beobachtungen und seinen Drang, bestimmte Gefühle zu evozieren. „Meine Videoskulpturen und Installationen bieten den Betrachtern die Möglichkeit, ihre physischen und psychischen Grenzen (neu) zu erkennen und sich zu befreien“ (MARCK).

The Strong Cubs

Prof. Feng Lu

Ausstellungseröffnung 23. August 2020, 14 h

Dauer der Ausstellung 23.08.2020 – 31.12.2022

 

It, 2017 – Epoxidharz, Öl

Die Berliner Kunsthistorikerin Constanze Musterer schrieb zu Feng Lu: „Die große Politik und die kleinen Abmachungen, die großen Religionen und die kleinen Andachten, der große Sex an Crime und die kleinen Begierden, die große Historie und das kleine eigene Leben. Feng Lu lässt kaum ein Thema der Gesellschaft aus und nimmt das menschliche Agieren in den Zerrspiegel seiner bitterbösen Ironie. Witzig und bunt, verspielt und frivol kommt sie in der handwerklichen Perfektion seiner figürlichen Plastiken daher.“

Feng Lu, geb. 1979 in Harbin (China), begann schon als Kind in dem kargen Hinterhof seines Elternhauses humoristische Skulpturen aus Kreide zu formen. Er studierte zunächst Bildhauerei an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und anschließend Bildhauerei und Malerei an der Universität der Künste in Berlin. Dort avancierte er zum Meisterschüler bei Prof. Wolfgang Petrick. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit wurde Feng Lu 2019 zum Professor am Sichuan Fine Arts Institut in Chongqing berufen. Dort ist Feng Lu Direktor des Deutschen Innovationszentrums für zeitgenössische Kunst. Feng Lu lebt und arbeitet in seiner Wahlheimat Berlin.

BANKSY ART LAB

(dauerhaft installierter urbaner Kunstkäfig)

 

Banksy‘s Kapitalismus Kritik, seine Konsum Missbilligungen, sein Kampf um Gerechtigkeit und Frieden und um die Verteilung der Ressourcen nehmen eine zentrale Rolle in der Forschungsarbeit ein. Doch genauso intensiv wird die widersprüchliche Vermarktungsstrategie um seine Kunst einem analytischen Urteil unterzogen. 

Banksy’s Botschaften erreichen durch den medialen Hype enorme Reichweite. Street Art findet immer mehr museale Beachtung. Ein großer Verdienst, der ihm zweifelsfrei zugeschrieben werden kann. Doch Banksy selbst wurde bisher, bis auf wenige Ausnahmen, museal kaum gewürdigt. Dem wird jetzt abgeholfen, das BANKSY ART LAB, einzigartig in seiner Einrichtung, wird sich fortan intensiv mit dem Werk und der Figur der Street Art Ikone auseinandersetzen. Die Ergebnisse werden in einer permanenten Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.