Ressourcen der Seele

Charlotte Eschenlohr

Ausstellung vom 11.09.-30.11.2021

Vernissage 16.10.2021, 16 h

Die Bilder von Charlotte Eschenlohr als Ganzheit zu betrachten – ein schwieriges Unterfangen.  Es sind die vielen Facetten, Figuren, Menschen, Tiere, Landschaften und Fabelwesen, die sich in ihren Bildern tummeln. Einerseits wohl und ausgewogen platziert, andererseits mitunter aber auch wild und ohne Zuordnung. Nicht selten geschieht dies offenkundig und gleichzeitig in einem Kunstwerk. Sie deswegen als wilde Malerin zu bezeichnen, würde ihr nicht gerecht werden. Die Bilder der Wilden sind aus deren Bäuchen entstanden, es waren kurze Momentaufnahmen einer Situation. Ergüsse eines Lebensgefühls, einer neuen Freiheit, die in den achtziger Jahren ausgelebt wurde. Diese Kunst war hauptsächlich auf einen Blick ausgerichtet, mit jedem weiteren reduzierte sich der Zugang.

Tief verwurzelt in der Philosophie des Taoismus findet sie die Energie und die notwendige Spiritualität, die zum Schaffen ihrer Kunstwerke erforderlich sind. Die Münchner Künstlerin Charlotte Eschenlohr ging sogar sogar soweit, dass sie sich auf ihrer Sinnsuche mit einem  Atelier in Peking niedergelassen hat. Seit nunmehr über elf Jahren arbeitet die Multimedia Künstlerin regelmässig in China, teilt sich dort ihre Ateliers gerne mit ansässigen Künstlern, um so die absolute Nähe zur Keimzelle der taoistischen Philosophie zu erleben.

Charlotte Eschenlohr ist eine Spätberufene. Nach ihrer ‚bürgerlichen Existenz‘, in der sie  als promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin tätig gewesen ist, hat sie  ihre wirkliche Berufung als Künstlerin Mitte der Nuller Jahre für sich entdeckt. Zunächst als Performance-Künstlerin, wo sie unter dem Titel ‚Living Table‘ in einem ausgefallen Happening ihre Gäste verzauberte. Inspiriert wurde sie durch eine in ihrer Wohnung und von ihr organisierten Veranstaltungsreihe zum Thema Eat Art.

Ein in unregelmäßigen Abständen stattgefundenes privates Treffen, zu dem sie Freunde, Künstler und Akrobaten aller Couleur eingeladen hatte. Eine Art Salon, in dem die bürgerlich Etablieren den Tellerrand weit überschreiten durften. Mit dem Motto ‚alles kann – nichts muss‘ wurde damals zelebriert, was Charlotte Eschenlohr  heute (losgelöst von aller Zwanghaftigkeit) im künstlerischen, wie im wirklichen Leben verwirklicht.

UNEXPECTED LIVING

MARCK

Ausstellung vom 09.07.-31.10.2021

Die Videoskulpturen des Schweizer Künstlers MARCK sind mehr als eine einfache Kombination aus Video und Skulptur: Sie sind eine logische Konsequenz seiner umfassenden Auseinandersetzung mit Filmen und Videos, multimedialen Projekten, Performances, Musik und skulpturalen sowie kinetischen Objekten. Die langjährige Auseinandersetzung mit diesen Medien hat ihm deren Grenzen aber auch die Möglichkeiten aufgezeigt und damit die Grundlage für die seit 2001 entstandene Werkgruppe gelegt. Ausschlaggebend für seine Videoskulpturen war – neben anderen – seine Unzufriedenheit mit der eher langweiligen Darstellung von Filmen auf Monitoren. Daher begann er, sie neu aufzubauen, um einerseits der Skulptur den statischen Aspekt zu nehmen und andererseits seinen Filmen/Videos reale Grenzen zu setzen. Die Auseinandersetzung mit dem Menschen und dessen Gefühlswelt steht im Zentrum seines Oeuvres. Sie basiert auf der Suche nach einer Kombination von äußeren Einflüssen und inneren Bedingungen. Seine Darstellerinnen sind immer Frauen, die sich des sie umgebenden künstlerischen (und künstlichen) Raumes bewusst sind, den sie mit ihrem Körper ausloten. Zuweilen wirken sie wie eingesperrt, oder sie bewegen sich auf gefährlichem Terrain, manchmal auch zwischen den Elementen Wasser und Luft wie in der Installation „black and white“ (2017). Der Künstler selbst versteht seine Arbeiten als emotional geerdete Medienskulpturen, die nicht nur ihre physischen, sondern auch ihre psychischen Grenzen ausloten.

 

Er lässt keinen Zufall zu, sondern baut seine Werke auf dem Fundament exakter inhaltlicher und technischer Visionen auf. Die Technik selbst steht nicht im Vordergrund, sondern ist Mittel zum Zweck – ein Organ für seine Beobachtungen und seinen Drang, bestimmte Gefühle zu evozieren. „Meine Videoskulpturen und Installationen bieten den Betrachtern die Möglichkeit, ihre physischen und psychischen Grenzen (neu) zu erkennen und sich zu befreien“ (MARCK).

The Strong Cubs

Prof. Feng Lu

Ausstellungseröffnung 23. August 2020, 14 h

Dauer der Ausstellung 23.08.2020 – 31.07.2021

 

It, 2017 – Epoxidharz, Öl

Die Berliner Kunsthistorikerin Constanze Musterer schrieb zu Feng Lu: “Die große Politik und die kleinen Abmachungen, die großen Religionen und die kleinen Andachten, der große Sex an Crime und die kleinen Begierden, die große Historie und das kleine eigene Leben. Feng Lu lässt kaum ein Thema der Gesellschaft aus und nimmt das menschliche Agieren in den Zerrspiegel seiner bitterbösen Ironie. Witzig und bunt, verspielt und frivol kommt sie in der handwerklichen Perfektion seiner figürlichen Plastiken daher.”

Feng Lu, geb. 1979 in Harbin (China), begann schon als Kind in dem kargen Hinterhof seines Elternhauses humoristische Skulpturen aus Kreide zu formen. Er studierte zunächst Bildhauerei an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und anschließend Bildhauerei und Malerei an der Universität der Künste in Berlin. Dort avancierte er zum Meisterschüler bei Prof. Wolfgang Petrick. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit wurde Feng Lu 2019 zum Professor am Sichuan Fine Arts Institut in Chongqing berufen. Dort ist Feng Lu Direktor des Deutschen Innovationszentrums für zeitgenössische Kunst. Feng Lu lebt und arbeitet in seiner Wahlheimat Berlin.