MOTHER MEETS SUN

im Rosenhang

Cornelia Schleime – Moritz Schleime

Ausstellungseröffnung 03. Juni 2018, 14 Uhr

die Künstler sind anwesend

Unter dem Titel „MOTHER MEETS SUN“ präsentiert das Rosenhang Museum in Weilburg erstmals eine gemeinsame Ausstellung mit Arbeiten von Cornelia und Moritz Schleime.

Mutter und Sohn, Künstlerin und Künstler – menschlich und familiär eng miteinander verbunden, teilen Cornelia und Moritz Schleime nicht nur den Beruf und die Leidenschaft für die zeitgenössische Kunst, allem voran die Malerei, miteinander, sondern auch eine gemeinsame persönliche Geschichte. Beide sind darüber hinaus höchst eigenständige Künstlerpersönlichkeiten mit unterschiedlichen Prägungen, die sich aktiv in der Kunstszene bewegen und ihre künstlerische Karriere produktiv und erfolgreich gestalten.

Doch zusammen ausgestellt haben beide bisher noch nie.

Cornelia Schleime gehört Anfang der 1980er-Jahre, noch während des Studiums in Dresden, einer jungen alternativen Kunstszene an, die sich als Gegenbewegung zur offiziellen Kunstdoktrin der DDR formiert. Sie zeichnet, malt, dichtet, entdeckt die Aktionskunst für sich und wird Mitbegründerin einer Punkband. Als ihr weit gefasster Kunstbegriff ab 1981 zu Ausstellungsverboten führt, siedelt die Künstlerin nach mehreren Ausreiseanträgen 1984 von Ost- nach West-Berlin über. Nahezu ihr gesamtes bis dahin geschaffenes Œuvre bleibt in der DDR zurück und ist heute verschollen. In West-Berlin angekommen, fängt Cornelia Schleime noch einmal ganz von vorn an. Heute zählt sie zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen ihrer Generation.

Moritz Schleime wird 1978 in Ost-Berlin geboren. Von 1998 bis 2004 studiert er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, gründet 2004 eine Künstlergruppe sowie eine Produzentengalerie. Seither stellt er regelmäßig in verschiedenen international arbeitenden Galerien aus und ist in renommierten Privatsammlungen vertreten.

Voller Optimismus schauen die drei Schüler aus der Serie UNSERE BESTEN auf ihrer Schulbank sitzend den Betrachter an. Eine Mischung aus Stolz und Selbstbewusstsein, aber auch manierlichen Verhaltens, wie es elterlich erwartet wird, scheint ihre Haltung zu prägen. Kleidung und Mode spiegeln eine Zeit, die wir mit der Kindheit heutiger Großeltern assoziieren – eine Zeit, in der individuelle Freiheit als Konzept der Persönlichkeitsentwicklung noch nicht vorgesehen war. Man könnte die Protagonisten vor ihrem stets undefiniert abstrakten, geheimnisvoll bleibenden Hintergrund mit dem Satz beschreiben: „Sie haben brav ihre Haltung eingenommen.“ Welche Gedanken und Wünsche, Pläne und Vorstellungen von der Welt und ihrem eigenen Leben sich in ihren Köpfen befinden kann man nicht sehen, nur bestenfalls erahnen.

Typisch für die Kunst von Cornelia Schleime und ihren Bilderkosmos ist die Verschmelzung von Außen- und Innenwelten. Der Betrachter ihrer Bilder beginnt sofort über die rätselhaften Verbindungen zwischen Mensch und Tier, Umwelt und Geschichte, Ornament und Zeichen zu grübeln. Ihre Figuren scheinen traumwandlerisch das Wesentliche fest im Blick zu haben. Dinge, Räume und Atmosphären wuchern und verwachsen miteinander und alles verbindet sich darin.

An dieser Stelle treffen sich die Werke von Cornelia und Moritz Schleime.

Er malt unsere Welt als Universum der Gegensätze, bei dem Schrilles und Lautes stets hautnah an Subtil-Emotionalem, an zarter Freude und tiefem Schmerz ist. Aufrührerische Sprengkraft, Gesellschaftskritik und traumartige Absurditäten sind in seinen Bildern ebenso zu finden wie Romantik, Hoffnung, rauschhafte Zustände, selbstzerstörerische Aggressionen oder abgrundtiefe Ernüchterung – oft gepaart mit einer großen Menge schwarzen Humors.

Ob freche Fratzen, tragische Diven, skurrile Typen, mysteriöse Masken – in jedem seiner Portraits verdichtet Moritz Schleime ein Gefühl, einen besonderen Blick auf einen nie ganz fassbaren Charakter. Er zeigt dem Betrachter ein von der individuellen und realen Person abstrahiertes Bildnis, das dennoch auf geheimnisvolle Weise zum emotionalen Ergründen der Dargestellten und zu einer einfühlsamen Auseinandersetzung mit diesen einlädt.
Dabei lässt der Künstler immer wieder auch Inspirationsquellen und Persönlichkeiten der künstlerischen Öffentlichkeit unterschwellig aufblitzen

Wie in vielen seiner Bilder, bedient sich Moritz Schleime auch für seine Portraits der Bildsprache verschiedener Epochen der Kunstgeschichte und schafft daraus eine eigene Form, in der Surrealismus, Expressionismus, Dada und Realismus gleichermaßen ihren Platz finden. Längst vergangene Zeiten, Moden und Lebensstile tauchen mitsamt ihrer spezifischen Gefühlswelt wieder auf und führen uns vor Augen, dass nichts wirklich verloren und vieles immer wieder aktuell ist – und doch auch immer wieder anders.


“NUHR im Rosenhang – Weltbilder”

Fotokunst von Dieter Nuhr

18.03.-18.06.2018

Dieter Nuhr ist einer der erfolgreichsten Satiriker Deutschlands. Seine bildnerische Seite ist weniger bekannt, gewinnt aber zunehmend an Öffentlichkeit: Dieter Nuhr ist bildender Künstler.

Nach einem Kunststudium mit Schwerpunkt Malerei widmet er sich heute der konzeptuellen Fotografie. Reisend erkundet er die Welt, dokumentiert abseitige Welten, verwandelt sie in Bilder und schafft so ein Archiv vergessener Orte.

Seine detaillierten Beobachtungen mit der Kamera machen Dinge sichtbar, die meist eher ungesehen bleiben. Dieter Nuhrs Bilder von Orten, Interieurs und Dingen des alltäglichen Lebens, oft hinterlassene Gegenstände, die auf den ersten Blick wenig bildwürdig erscheinen, eröffnen einen sachlichen und dennoch oft melancholischen Blick auf die Rätselhaftigkeit des Daseins.

Seine Bilder werden häufig mit kleinen Texten oder Zeichnungen kombiniert, die den Blick lenken und Assoziationen freisetzen. Nuhrs Werke sind zwar im technischen Sinne Fotografien, wirken aber in erster Linie malerisch in Komposition und Farbklang und berühren den Betrachter trotz oder gerade wegen ihrer extremen Sachlichkeit und Strenge der Bildaufteilung.

“So long, Daphne”

Helge Leiberg – ab 19.12.2017

 

Helge Leiberg widmet sich auch in seiner neuen Bronzeserie den klassischen Themen. Seine Bronzefiguren legen den Fokus auf den Menschen – und nichts als den Menschen – und zeigen am liebsten transitorische Zustände, einen signifikanten Augenblick inmitten der Bewegung. Menschliche Figuren mit überlangen Gliedmaßen, die Ausdrucksmittel einer expressiven Gestaltung sind, werden zu Metaphern der Bewegung und des Tanzes.