DUALITÄT ODER POLARITÄT

Niesen – Taeter – Müller

Ausstellungseröffnung 24. März 2019, 14 Uhr

die Künstler sind anwesend – das Künstlergespräch führt Anne Müller

Ausstellungsdauer 24.03.-08.05.2019

Barbara Niesen zeigt Exponate aus ihrer neuen Serie „Sencha Flowers“.

Zu sehen sind Farbraumkörper auf Leinwänden in Anlehnung an Gotthard Graubner, der seinen Bildern durch das Aufspannen synthetischer Watte auf zweidimensionaler Leinwand Plastizität gab. Hier sind es handgenähte Beutel, gefüllt mit japanischen Sencha Teeblättern, die sich nach einem aufwändigen Gestaltungsprozess in eine wellenförmig geschwungene, zart strukturierte Oberfläche verwandeln. Eine Dualität und Polarität der Farben entsteht durch quadratisch angeordnete Aufbrüche, in denen sich eingefärbte kugelförmige Objekte befinden, die Blüten mit Fruchtknoten symbolisieren.

 

Jürgen Taeter zeigt Farbfotografien aus seinem Bilderzyklus „Ergänzung undGegensatz“.

Das Dualitäts- bzw. Polaritätsprinzip kommt durch fotografische Prinzipien, durch das Verhältnis der Farben bzw. des Lichtes, den Bildaufbau und/oder inhaltlichen Aussagen zum Ausdruck. So verdeutlicht z.B. das Bild „Lollipop“ in vielfältiger Weise die Prinzipien von Dualität und Polarität: Um nur einige Beispiele zu nennen: Dualität: Virtuelle Personen – Schatten und Bodengemälde; Formen – Steinplatten und Bluse. Polarität: Zusammengehörigkeit Schattenpaar versus Einzelschatten bzw. gemalte Frau; Formen Rechtecke der Bluse versus Kreisformen im Kopftuch.

 

Im Zentrum der Arbeiten von Bernd Müller stehen einfache stille Charaktere, Szenen direkt aus dem Leben. Er zeigt zwischenmenschliche Beziehungen, Menschen aus dem Volk: ihr Alltag wird fabuliert. Es ist eine Metamorphose, eingebettet in eine vereinfachte Bildsprache, die er benutzt, um auf Lebensumstände und Verhaltensweisen hinzuweisen. Unsere Gedanken, Gefühle, Einstellungen und Werte beruhen oft auf Erfahrungen, die uns prägen. Was präsentieren die Skulpturen – Dualität oder Polarität? Entsprechend seiner Erfahrungswelt sieht der Betrachter beides. Für Bernd Müller bedeutet Dualität die Zweiheit unserer Welt: entweder – oder. Polaritäten sind keine Gegensätzlichkeit, keine Widersprüchlichkeiten, sondern der Weg, über den wir die Welt wahrnehmen können: sowohl als auch.

TEN YEARS AFTER

Jan Davidoff

Ausstellungsdauer 17.03.-15.06.2019

Mit ten years after widmet das Rosenhang Museum Jan Davidoff (geb. 1976 in Norden) anlässlich seiner 10-jährigen Professionalität als Künstler eine Einzelpräsentation.

Retrospektivisch zeigt die Ausstellung die weite Bandbreite von Jan Davidoffs künstlerischem Schaffen und seine Vielfalt im Umgang mit unterschiedlichen Mal- und Drucktechniken und der Wahl von Materialien. Gleichzeitig spiegelt sich in den Exponaten die Auseinandersetzung mit der Beziehung von Natur und Kultur als zentrales Motiv seiner Kunst in den Jahren seit Abschluss des Studiums wider. Sei es die Auflösung jedweder Bezüge im endlos erscheinenden Geäst eines Baumes oder der Verlust jeglicher Perspektive in Anbetracht architektonischer Bauten – die rauschhafte Wirkung von Jan Davidoffs Arbeiten resultiert aus der formalen und inhaltlichen Reduktion von Eindrücken aus Natur und Kultur auf das Wesentliche. Dabei werden seine Gemälde maßgeblich von den Eindrücken, die er  – früher noch auf Reisen in ferne Regionen dieser Welt, jüngst zunehmend an Naturschauplätzen seiner unmittelbaren Umgebung, dem bayrische Umland – sammelt, beeinflusst. Ausgehend von der Annahme, dass Landschaft heute ausschließlich kulturhistorisch und damit niemals unberührt von menschlicher Existenz zu begreifen ist, porträtiert er die Natur als Essenz allen Lebens.

Die Verschmelzung von Figürlichkeit und Abstraktion durch den Verzicht auf die Detailhaftigkeit und multiple Farbigkeit der realen Szenerie und die Einbettung in einen nahezu monochromen Hintergrund betont den Gegensatz von Natur und Kultur dabei nur vermeintlich.

So verwendet er als Vorlage für seine sowohl großformatigen Leinwandarbeiten als auch kleineren Werke auf Stahl, Metall und Kupfer selbst aufgenommene Fotografien, die er dann digital überarbeitet und verfremdet. Dabei ist das Zusammenspiel von Hintergrund- und Motivwahl von zentraler Bedeutung. Während der Bildträger selbst durch den Auftrag verschiedenster Material- und Farbschichten Haptik und Vielschichtigkeit suggeriert, so entsteht die eigentliche Tiefe der Arbeiten erst durch den Übertrag des Motivs auf die Oberfläche und den so entstehenden Bruch. Die von Kraft und Vitalität durchdrungenen Werke erhalten ihre Wirkung erst durch das Zusammenspiel von Untergrund und Motiv, das seine ästhetischen Gegensätzlichkeit betont und so einen Raum entstehen lässt, in dem das Licht als weitere Komponente der subjektiven Erfahrung des Künstlers Ausdruck verleiht.

Hier wird der in Arno Holzs Formel „Kunst = Natur – x“ postulierter Parameter x zum zentralen Sujet, wenn sich der Betrachter angesichts von unendlichen Bachläufen, des Dickichts des Waldes oder im Gegenüber von Kirchen und Häusern fragt: Wer oder was ist Kreatur und wer der Kreator? Wer schafft was? Oder vielmehr, was schafft wen? Grenzen heben sich auf und Naturgesetze verschwimmen ebenso wie die Grenze zwischen abstrakter und figurativer Kunst. Und auch das erst seit kurzem zentrale Motiv der (verblühten) Sonnenblume als Symbol für die Gleichzeitigkeit von Vergänglichkeit und Leben wird zum Spiegel seiner stetigen Auseinandersetzung mit der Beziehung von Mensch und Natur.

Auf subtile Art wird so in Jan Davidoffs Werk der vergangenen 10 Jahre der immerwährende Fluss des Lebens, der in der Natur zum Ausdruck kommt, und das Bewusstsein für die untrennbare Verknüpfung von Kultur, Kunst und Natur sichtbar.

Die wunderbare Welt der Farben

Peter Max – Romero Britto – Itzchak Tarkay

07.03.2019 – 30.06.2019

Der US-amerikanische Pop-Art-Künstler Peter Max ist deutsch-jüdischer Herkunft. In Berlin am 19.10.1937 geboren, flüchteten seine Eltern mit ihm vor dem Nationalsozialismus nach China, wo er in Shanghai aufwuchs. Max wurde an der New Yorker Art Students League, dem Pratt Institute und der School of Visual Arts ausgebildet. Er ist bekannt für seine farbenfrohen, psychedelischen Werke, die das Bild der 1960er Jahre und der Gegenkultur der Vereinigten Staaten prägten. Max verwendet häufig ein breites Spektrum an Farben und Mustern. Obwohl er sich als Neoexpressionist versteht, ist seine Arbeit auch stark mit der Pop-Art-Bewegung der Nachkriegszeit verwandt.

Politisch engagiert und dem Umweltschutz zugetan, hat Max in den 1980er und 1990er Jahren Projekte für amerikanische Präsidenten verwirklicht – darunter ein Gemälde, um die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zu würdigen. Außerdem schuf Max Poster für Musikveranstaltungen wie die Grammy-Verleihung 1989 und für die Fußball-Weltmeisterschaft, die 1994 in den Vereinigten Staaten stattfand. Max lebt und arbeitet weiter in New York.

Der brasilianische Maler, Bildhauer und Neo-Pop-Art-Künstler Romero Britto wurde am 06.10.1963 in Recife geboren. Seit 1987 lebt und arbeitet er in Miami. Britto ist bekannt für seine bunten Bilder und Skulpturen. Mit seiner neuartigen Ausdrucksweise reflektiert er seine optimistische positive Einstellung gegenüber dem Leben. Hierbei lässt er sich von alten und modernen Meistern beeinflussen. Vor allem die Kunst der Künstler Henri Matisse und Pablo Picasso, die Romero Britto 1983 auf einer Reise nach Paris entdeckte, beeinflusste ihn in seiner Malweise. In seinen farbenfrohen Illustrationen und Skulpturen kombiniert Britto Elemente aus dem Kubismus, der Pop-Art und dem Graffiti.

Seinen Durchbruch erlangte Britto mit einer Werbekampagne für Absolut Vodka, an der auch Andy Warhol, Keith Haring und Ed Ruscha beteiligt waren. Es folgten weitere Werbeaufträge und Kooperationen mit Pepsi, Volvo, Disney, der FIFA und anderen Firmen und Organisationen. Kunstwerke Brittos werden weltweit auf großen Ausstellungen gezeigt.

Itzchak Tarkay wurde 1935 in Jugoslawien geboren. 1949 emigrierte seine Familie nach Israel. Dort studierte er am Avni Institute of Art and Design in Tel Aviv. Am 03.06.2012 starb Tarkay in Detroit.

Bekannt wurde Itzchak Tarkay für seine Portraits von eleganten Frauen im Stil des Postimpressionismus. Beeinflusst von Henri Matisse und Henri de Toulouse- Lautrec, sorgen Tarkays ausdrucksstarke, gleichwohl delikate Pinselführung und Farben für eine traumartige, fantastische Qualität seiner Gemälde. Seine weltweite Anerkennung erlangte er 1986 auf der internationalen Art-Expo in New York.